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Bilderbögen, Postkalender und Überzieher
Es gibt Wörter, die mehrere Bedeutungen haben, wie zum Beispiel das Wort Carrick. Schon mal gehört? Ich auch nicht. Dann gibt es Dinge, die für andere eine Bedeutung haben, die wir ihnen nie zugetraut hätten. Französische Postkalender zum Beispiel. Zu diesen erfährt man in einem Krimi von Pierre Magnan: "Lange Zeit waren sie für viele arme Leute das einzige Luxusgut, das einzige Gedruckte, das bis zu ihnen kam. Sie wurden niemals weggeworfen. Sie stapelten sich, einer über dem anderen, immer an demselben Nagel aufgehängt. (...) Es gab nichts Unumstößlicheres als das Ritual des Postkalenders: Mit seiner Verteilung um Weihnachten herum wurde das Ende des Jahres eingeläutet." Zwei Zeilen weiter ist dann auch gleich noch die Rede von den "Bilderbögen von Epinal". Ich machte mich auf die Google-Bildersuche in Deutschland und Frankreich. Ich fand keinen einzigen calendrier de la poste. Die imagerie d'Epinal dagegen machte ich schnell ausfindig und weiss nun, wie ich mir so einen Bilderbogen vorstellen muss. Bei Ebay France werden die sprichwörtlich gewordenen Epinal-Bildchen ab drei Euro fünfzig gehandelt. Sowas möchte ich auch mal haben. Was ein Carrick ist, konnte ich dagegen nicht herausfinden. In dem Krimi war weder ein Knoten dieses Namens gemeint, noch eine Hängebrücke oder ein Fussballer. Die Passage, die mich neugierig gemacht hatte, lautet: "Aber nein,! Bleiben Sie! Setzen Sie sich. Legen Sie Ihren Überzieher ab." "Das ist ein Carrick", brummte der Richter. "Was ist ein Carrick?", fragte sich der Schreibman. Das einzige Bekleidungsstück dieses Namens, das per Bildersuche zu finden war, ist ein Hemd, das man nun wirklich nicht mit einem Überzieher verwechseln kann. Das Geheimnis bleibt also komplett. Auch was den Postkalender betrifft. In der Sammlung im Krimi fehlt nämlich der von 1912, mit einem Bild aus der Druckerei von Epinal. Mit Google wird der Knoten nicht zu lösen sein, commissaire Laviolette. Es ist halt ein Kreuz mit diesen Suchmaschinen. Keltisches Carrick-Kreuz
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bisher 18 Kommentar(e)
TrackBack-URL
babs
/ Website
(23.8.06 16:27)
Carrick (auch Garrick) Winter- und Schlechtwettermantel, benannt wahrscheinlich nach der irischen Stadt Carrick oder nach dem berühmten Schauspieler Garrick; beide Bezeichnungen werden laufend verwendet. Der Mantel, der einen großen Zierkragen hatte, der bis auf die Schultern fiel und im Winter oft aus Pelz war, endete 10 bis 15 Zentimeter über dem Boden. Seine Mode verbreitete sich um das Jahr 1800 von England aus im übrigen Europa, in Deutschland bürgerte sich für Carrick der Name „Blüchermantel“ ein. Um das Jahr 1825 wurde auch eine Damenversion dieses Mantels geschaffen.
L. Kybalová, O. Herbanová, M. Lamarová: Das große Bilderlexikon der Mode, Verlag der Kunst Dresden, 1980
Es lebe das Buch! :-)
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rudi
(23.8.06 19:36)
Mann ist Frau(nehme an, daß Babs Frau ist) gut, chapeau !! Ich wollte schreiben, daß es sich hier sicher um die Marke des Überziehers handelt, aber dieser Kommentar wirft mich um Jahre zurück. R.
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babs
/ Website
(23.8.06 20:02)
Babs ist durch und durch Frau und einfach nur des Lesens und Schreibens kundig ;-)
(Ich hätte natürlich - trotz der Quellenangabe - Anführungszeichen setzen müssen. Asche auf mein Haupt.)
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Schreibman
/ Website
(23.8.06 20:24)
Klasse! Jetzt muss ich mir nur noch Blücher im Regen vorstellen.

Leserin Circles hatte mich hier auf einen Bildlink zu einem "Carrick raincoat" verwiesen, über den ich schliesslich nachstehendes Bild gefunden habe. Jetzt muss ich nur noch den commissaire darin sehen. 
Danke für Eure Mühe und Kommentare.
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Gedanke
(23.8.06 21:52)
Habt ihr Lust auf ein wenig Verunsicherung? *ggg* Denn wenn ihr recht habt, hat Wikipedia nicht recht: http://de.wikipedia.org/wiki/Mantel#Carrick
Man schreibt dort von "zahlreichen" übereinander gelegten Pelerinen (Stoffbahnen also im weitesten Sinne). Dazu passt weder der Blücher noch die komische gelbe Jacke.
Vielleicht bestand der große Zierkragen des "Carrick" ja aus etlichen verschiedenen Stoffen bzw Pelzen, welche miteinander in weitestgehend ähnlicher Weise verbunden waren wie es das Muster an den jeweiligen Enden des keltischen Kreuzes erahnen lässt. Bei dem seltsamen Hemd ist es eventuell nur das Farbmuster, und bei der komischen Jacke die Web-Art. Und bei der Hängebrücke (bzw dem Knoten) die Verknüpfungstechnik.
Hoffe der Carrick bleibt mit dieser Message auch weiterhin ein Geheimnis ;-)
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babs
/ Website
(24.8.06 02:07)
So leicht lass ich mich nicht verwirren, obwohl ich natürlich mit Carrick-ma-cross, einer irischen Leinwandspitze (Ausschneidespitze, florale Musterung), auch noch ein bisschen zur Verwirrung beitragen könnte.
Die Pelerine ist ein ärmelloser Umhang (mit verschiedenen Kragenformen). Der Blücher auf dem Denkmal scheint tatsächlich eine zu tragen. Der Carrick dagegen ist ein regelrechter Mantel. Die Kragenform wirkt wie eine bzw. mehrere kurze Pelerinen übereinander.
Die Kutschermäntel, die für die Gothic-Szene angeboten werden, scheinen dem Carrick nachempfunden zu sein. Wenigstens die mit Pelerine.
Und jetzt komm ich mir vor wie ein elender Klugscheißer...
Gute Nacht :-)
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Circles
(24.8.06 09:16)
Die gelbe Jacke ist auch falsch. Ich habe dort einen Herren in grauem Mantel gesehen.
Habe es gerade noch mal getestet: Der Herr im Mantel erscheint. Wo kommt denn die gelbgewandete Dame her?
Für mich ist ein Carrick ein langer Mantel aus gummierter Baumwolle mit Pelerine. Kennt denn keiner den Begriff "Kleppermantel"? Aber nicht dieses Fetisch-Zeugs. Sondern die Vorlage dafür. *grübel*
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babs
/ Website
(24.8.06 14:39)
Was lange währt, wird endlich gut.
In der Galerie der alten Holmes-Illustrationen von Paget (http://camdenhouse.ignisart.com/gallery/1-adve2.htm) unter "The Adventure of the Blue Carbuncle" ist z. B. auf dem Bild blue-06 ein solcher Mantel zu sehen.
btw: Diese alten Kutscher-Bilder hatte ich im Sinn, fand aber unter Kutschermäntel nur die für die Szene ;-)
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Schreibman
/ Website
(24.8.06 16:45)
Sollte ich mit dem Sherlock Holmes also Recht gehabt haben? Bin selber erstaunt. Mal sehen, ob niemand Einspruch erhebt.
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Schreibman
/ Website
(24.8.06 17:07)
Die folgenden Bilder habe ich von Rosenherz bekommen. Ist zwar kein Regenmantel, aber nur für daheim rum eigentlich auch ganz chic.
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Circles
(25.8.06 08:23)
Das was Holmes trägt, ist ein sogenannter "Inverness". Der hat keine Ärmel, sondern sozusagen nur zwei Löcher für die Arme unter der Pelerine. Man trägt seine normale Jacke darunter.
Schotten tragen so etwas heute noch gerne über dem Kilt.
Hmmm, vielleicht ist ein Inverness ja ein Carrick?
Nur mit einem bestimmten Webmuster. Wobei ich mir außer einer Leinwandbindung eigentlich nichts Strapazierfähiges darunter vorstellen kann. Vielleicht noch ein Köper. Glaube kaum, dass Dreherlitzen dafür genommen werden.
Wir bekommen es noch heraus!
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Schreibman
/ Website
(28.8.06 17:24)
Als Antwort auf eine entsprechende Anfrage bei einem Geschäft für "FINE ENGLISH COUNTRY WEAR" - Betrifft: Carrick - erhielt ich heute nur den Satz "Leider ist mir der von Ihnen beschriebene Regenmantel nicht bekannt".
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gyueo
(8.10.09 13:49)
I cannot agree more. I can not always find worthy resources with interesting articles to read. Mostly search by means of http://rapid4me.com rapidshare SE, but your site found with the help of Google. Thanks
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Schreibman
/ Website
(8.10.09 14:37)
@gyueo & dfth:
Thank you for your compliments and informations.
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However, welcome to the club!
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