Versinglelung
Schreibman, Ältester von vier Geschwistern, Offizierssohn und Vater von drei Kindern, davon zwei Zwillingstöchter, fühlt sich heute mal wieder an seine Kindheit erinnert. Zu Omas 70. Geburtstag oder anderen wichtigen Anlässen wurden wir uniformiert. Zwei Jungs und zwei Mädchen, alle vier im roten Nicki und zum Foto aufgestellt wie die Orgelpfeifen. Das Bild habe ich noch im Kopf. Daher wahrscheinlich meine Abneigung gegen übertriebenes Uniformieren. Schreibman war Kriegsdienstverweigerer, hat seine Zwillinge nie im gleichen Gewand gesehen und nie im Leben Blue Jeans getragen. Dass die letzte Konsequenz von Individualismus die Einsamkeit ist, hatte ich hier schon einmal angesprochen. Im heutigen Spiegel geht es um ein verwandtes Thema. Apropos Verwandtschaft. Immer weniger werden noch wissen, was das ist, die gute alte "bucklige Verwandtschaft". Früher galt der von Max Stirner 1844 erfundene Solipsismus noch als eine exotische Philosophie. Heute ist Versinglelung allgemeine Lebenspraxis. Schreibman grüsst seine Schwestern und Töchter, Tanten und Cousinen, Leserinnen und Freundinnen sowie seinen Bruder, Brüder im Geiste und alle anderen Leser.
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