Zur Zeit gelingt mir nichts so richtig, und ich bin nicht der einzige. In der Grosswetterlage gibt es einen Winter, der noch nicht weichen will, einen müden Minister, den man nicht gehen lassen wollte, eine Konjunkturpolitik, die noch nicht greift, sowie ein allgemeines Herumwurschteln, von dem noch keiner glauben mag, dass es zu Besserungen führen wird.
Auch im privaten Bereich macht man sich Pläne und Vorstellungen, und dann kommt alles ganz anders.
Als ich mich kürzlich nach Hause zurückzog, (...) schien mir, ich könnte meinem Geist keinen größeren Gefallen tun, als ihn in voller Muße bei sich Einkehr halten und gleichmütig mit sich selbst beschäftigen zu lassen (il me sembloit ne pouvoir faire plus grande faveur à mon esprit, que de le laisser en pleine oysiveté, s'entretenir soy-mesmes, et s'arrester et rasseoir en soy - Livre I, Chapitre VIII), irrt sich Montaigne schon ganz am Anfang seines dann doch sehr umfangreich gewordenen Werks, das man komplett auf Französisch im Internet lesen und mit der deutschen Gesamtübersetzung von Hans Stilett vergleichen kann.
Nun aber sehe ich, daß umgekehrt der Geist (...) zum ruhelosen Irrlicht wird; wie ein durchgegangenes Pferd macht er sich selber (...) hundertmal mehr zu schaffen als zuvor (...) Die Seele, die kein festes Ziel hat, verliert sich (L'ame qui n'a point de but estably, elle se perd).
Bloggerkollege Schlagloch meint in seinem neuesten Eintrag Anfang: Nachdem die ersten Wochen des neuen Jahres vorbei sind, fragt man sich, wofür lohnt es sich in diesem Jahr zu kämpfen, sich einzusetzen? ohne eine Antwort auf seine Frage zu finden, und Wilderkaiser suchte am Tag zuvor seine Balance: Es ist so schwer, die Balance zu halten. Hätte ich einen Stab wie die großen Künstler oder wenigstens ein Seil unter meinen Füßen, ich würde leicht wie eine Feder darüberhüpfen und würde keinen Gedanken daran verschwenden, was hinter mir oder vor mir liegt.
Was mich betrifft, wohne ich jetzt zwar allein zu Haus, fühle mich aber keineswegs allein mit meinen Gedanken und meiner Stimmung. Ich bin froh, dass andere sie zu teilen scheinen. Das empfinde ich, auch wenn sie im Moment manchmal negativ sind, im Grunde doch als positiv.
Es soll ja alles besser werden.